Flugblatt
Irak-Krieg 2003
Kriegsjetöse
und Friedensimperialismus

Damit
Ihr, werte Lesende, das gleich mal wisst: Wir haben hier nicht den Ehrgeiz,
aus dem Kaffeesatz bürgerlicher Journaille die Welt zu erklären,
und mit Krümeln vom Katzentisch geopolitischer Think Tanks möchten
wir uns an dieser Stelle auch nicht dicke tun. Anstatt dessen horchen
wir einfach mal ganz mutig ins kollateral-kollernde Gedärm des
bürgerlichen Zeitgeistes hinein – wäre ja möglich, dass
sich die Verhältnisse durch ihr eigenes Jetöse hindurch kenntlich
machen...
Um einfach
mal anzufangen: Es spricht richtig ville für einen kleinen Waffengang.
Schließlich geht’s darum, einem fiesen Schlächter das Handwerk
zu legen, und wer außer dem freien Westen sollte berufen sein,
solch Segenswerk zu erbringen? Also.
Natürlich haben sie den guten Saddam erst zu dem gemacht, was er
ist. Weiß doch jeder. Na und: Hier (wie anderswo, gelle) war’s
doch für einen guten Zweck. Mal geht es gegen Commies oder Mullahs,
mal gegen den Terror (huch!), mal gegen Separatniks, mal gegen den knechtenden
Zentralstaat (Nichtzutreffendes wie stets streichen). Klar profitieren
Konzerne und lokal metzelnde Warlords von solchen Deals, Blut ist nun
mal ein (das!) prima Schmiermittel, um Machtmaschinerien
am Laufen zu halten. War schon immer so, nu hört schon uff zu greinen
- Pelzwäsche, aber nicht nass werden wollen, wa?
A propos
Schmiermittel (jau, jetzt geht’s ums Öl, das muss hier einfach
kommen): Der Krieg da unten ist hochrational, denn wie sollte man denn
sonst die Bedingungen kontrollieren, unter denen unser aller Aquavit
das Licht der Sonne erblickt? Man muss die Gegend immer mal wieder im
Eigenblut befrieden, das hält genehme Feindbilder frisch (vor allem
dasjenige der Juden, die ja schon immer Schuld an der Unterdrückung
der arabischen Massen waren) und Russland und China werden weltpolitisch
in die zweite Reihe geschubst.
Im Resultat bleiben die Eliten obenauf, die uns die sichere Ölschwemme
garantieren, und das wollen doch alle, denn: Was gut ist für VW,
ist auch gut für Deutschland. Oder den VfL Wolfsburg. Zurück
ins Funkhaus.
Und weil’s grad so gut passt: Es spricht richtig ville gegen diesen
schmutzigen Krieg da unten. Vor allem, weil ihn die Yankees führen
wollen. In Belgrad wollte die „Achse der Wiesel“ von Fischerman bis
„ich will da rein“-Schroeder vor wenigen Jahren, aber wer weiß
das noch, selbst einmarschieren, auch ohne UNO-Mandat, da waren die
Kaugummifresser schneller! Bad Guys, die, kulturlose Ölsäufer,
immer der Welt (vor allem aber Euroland) zeigen, wer den Hut uff hat.
Muss sich ändern – die Frenchies machen uns das ja schon vor, wie
man ´nen ordentlichen Kulturkampf gegen den Coke-Imperialismus
durchzieht. Zumal die Deutschen als Opfer der Re-Education und von Bomber-Harris
mit den Angelsachsen sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen haben.
Außerdem lohnt sich die Chose auch, denn wenn es gegen die USA
geht, müssen nun mal alle zusammenstehen, sonst wird dat nix: Völker
Europas, wahret Euhere heiligsten Güter! Wichtiger noch: mehret
sie! Leider ist da immer noch Wallstreet vor (Spekulantenpack, undeutsches!),
und um die/das wegzufegen im Kampf um die Marktanteile (friedlich natürlich,
wir sind doch noch gar nicht so weit), muss schon mal ein Gürteltier
enger geschnallt werden. Sehnwa ein, ist doch klar, oder nicht?
Hehre Ziele muss unsereins vor die Nase bekommen, dann ficht uns keine
Krise nicht an, und willig stemmen wir uns ins Joch unserer herrschenden
Klasse. Together we stand, divided we fall!
Und schlau
sind se, unsere Leithammel. Dem transatlantischen Löwen wird hinterhergetrottet,
um wenigstens formal, nein, nicht bei der Verteilung der Beute dabei
zu sein (wie perfide), sondern alle Möglichkeiten der mäßigenden
Einflussnahme zu wahren. Zudem kann man jetzt halt noch nicht aus der
Hyänenhaut schlüpfen, um den bedrohten Völkern der Welt
im Namen von Aufklärung und Zivilgesellschaft zur Seite zu stehen.
Dit kommt aber noch, daran wird gearbeitet.
Die relevanten Plots lungern in diversen Schubladen, und der Anspruch,
unsere vitalen Interessen weltweit zu schützen und durchzusetzen,
ist ja nun schon geraume Zeit Regierungsdoktrin. Newohr?
Ja, zugegeben,
Krieg ist nicht wirklich schön. Wenigstens nicht für alle.
Aber man muss das Jroße Janze sehen.
Wir denken da noch nicht mal an die kolossalen Möglichkeiten für
die Medizin. Völlig neue Krankheitsbilder, und alles nur, weil
ein bissel Uran in die Munition geknetet wurde. Wesentlicher scheint
uns, auf die Chance hinzuweisen, dass nun im zwoten Anlauf endlich dem
globalen Klimakollaps Einhalt geboten werden könnte. Wir müssten
nur dafür Sorge tragen, dass diesmal die regionalen Ölfelder
nicht gar so stümperhaft abgefackelt werden, sich der Himmel bis
Indien verdunkelt, auf das endlich wieder Menschenwerk vom Mond beobachtet
werden kann.
Und vielleicht schmeißt Old Saddam (oder vielmehr einer seiner
Mossad-Helflinge) ja tatsächlich ein Biobömbchen auf St. Pauli,
St. Pölten oder San Francisco (ob man mit taktischen Atomwaffen
nachhelfen sollte – oder wäre es gescheiter, ihm so ein Biokuckucksei
einfach unterzuschieben?). Da gibt’s gar nix zu lachen, Mesdames et
Messieurs, hier jeht’s um die innere Sicherheit, hier müssen friedenserzwingende
(peace enforcing heißt das, folks, die Keule gilt letztundendlich
uns) Maßnahmen legitimiert werden, und durch Terror wird noch
jedem Skeptiker das Maul gestopft, wollnwa doch mal sehen.
Was, im
Krieg sterben Menschen, gehen Dinge kaputt? Schlaubergerei – als wenn
der kapitalistische Krieg dies nicht bezwecken würde.
Im Sinne der Kapitalverwertung sind doch eh zig Millionen Menschen weltweit
unproduktive und potenziell gefährliche FresserInnen, und Maschinen
gibt’s ooch zu ville.
Hier kann sich nu wirklich niemand weigern, eins und eins zusammenzuzählen.
Und überhaupt: Wurde das goldene Zeitalter des Sozialstaats nicht
auch erst auf den Leichenbergen des zweiten Weltkrieges errichtet? Also!
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